Tja, mein Hobby begann mit einem Reitunfall, der mir fast das Leben kostete. Aber.... wie ihr sehen könnt, bin ich noch mal davon gekommen.

 

Meine Freundin ist eine begeisterte Reiterin und ich hatte vor viiieeelen Jahren auch mal Reitunterricht wegen meiner Bandscheibe. Sie erzählte mir, dass sie einen Reit-Kurzurlaub in Eging am See machen möchte, mit Tagesausritten, Besuchen von Westernfesten mit Übernachtung im Biwak wie die Cowboys usw. Sie hatte mich richtig angesteckt.

Um unseren Hintern aber rittfest für solche Tagesausritte zu machen, mussten wir vorher ja mal ein bisschen trainieren. Wir fuhren also Wochen vor unserem Urlaub jeden Sonntag nach Leonberg in einen Reiterhof und unternahmen wundervolle Reitausflüge. Zuerst nur eine Stunde, dann 1 1/2 Stunden und zum Schluss fast drei Stunden. Ich hatte keine Probleme mehr und war für unseren Urlaub bereit.

 

Mutig waren wir ja schon, wenn ich so im Nachhinein drüber nachdenke. Mit nur ein paar Reitstunden als junges Mädchen und dann nach 30 Jahren wieder aufs Pferd zu sitzen und gleich Freilandritte zu unternehmen, war schon seeeehr mutig. Aber es ging alles gut.

 

Aufgeregt und voller Vorfreude machten wir uns dann auf den Weg und fuhren - wie die Cowboys früher ritten - in einen wunderschönen, knallroten Sonnenaufgang hinein. Ich werde dieses Ereignis nie vergessen. In Eging angekommen packten wir aus und erkundeten die Gegend. Auf einer Anhöhe angekommen, machten wir Halt und schauten über das Tal. Wunderschön. Wie im Film schauten wir über die saftigen, grünen Wiesen und die dunklen Wälder.

Doch dann.... "hörst du das?" fragte ich. "was?" - "na das" - "was denn" - "na die Ruuuhe. Mann mit so einer Ruhe kann ich nicht schlafen", sag ich zu meiner Freundin. "Ohne dass die LKW´s an meinem Fenster vorbeidonnern oder die Motoräder aufheulen, werd ich Schlafprobleme haben". Es war wirklich so, es war eine unglaubliche Ruhe, die auch über uns kam.

Lachend stiegen wir wieder ins Auto und fuhren runter an den See, um noch ein bisschen in die Sonne zu liegen. Am Spätnachmittag ging es dann in den Stall, um die Pferde kennen zu lernen. Wir machten uns auf zu einem kurzen 3-stündigen Ritt, damit auch die Pferde uns kennen lernen konnten. Es war toll und bei Nacht kamen wir dann erst nach Hause. Schlafen konnte ich dann.....doch. Ich war totmüde und viel um wie ein Stein.

 

Nach einem ausgiebigen Frühstück am nächsten Tag, ging es dann wieder für 3 Stunden ins Land und nachmittags noch einmal. Am nächsten Tag wollten wir einen Tagesritt zu einem Western- und Countryfest machen, wo wir auch übernachten wollten.

 

Es war ein brütend, heißer Tag und wir ritten durch Wälder und Felder, bis wir zu einem kleinen Bach kamen. Unser Reitführer sagte, dass wir mit den Pferden ins Wasser sollten, damit sie was trinken konnten. Es war ein unglaublichen Erlebnis. Die Pferde fingen plötzlich an, mit den Hufen ins Wasser zu treten. Sie plantschten wie kleine Kinder. Es war eine wahre Freude das zu sehen.

Was ich nicht wusste war, dass Pferde Gedanken lesen können und die dann genau das machen, was man in Gedanken ausspricht oder zumindest können sie die Schwingungen hören. Man sollte also nie denken, "ooh hoffentlich stolpert das Pferd jetzt nicht", denn dann stolpert es. Wenn ich gewusst hätte, was da kommt, hätte ich den Gedanken noch nicht mal gedacht, geschweige denn ausgesprochen.

Ich sagte nämlich zum Reitführer: "was ist eigentlich, wenn die Pferde sich jetzt ins Wasser legen?" "Die legen sich nicht ins Wasser". "Ja aber was ist denn, wenn sie sich ins Wasser legen?" (So blöde kann man doch nicht sein oder?) "Na dann nichts wie raus aus dem Sattel" und... muss ich noch mehr sagen?

 

In diesem Moment knickt mein Pferd vorne ab - ich mit den Stiefeln aus den Bügeln und runter vom Pferd. Es war ein tolles Gefühl zu spüren, wie die Cowboystiefel voll Wasser liefen :). Ich wollte gerade den ersten Schritt zum Weglaufen machen, als ich einen Schlag  erhielt und vorne über ins Wasser viel. Ich lag da, sah die Steine und den Sand unter mir und konnte mich nicht bewegen. Der Bach war nicht tief. Mein Rücken ragte noch raus - aber ich konnte mich nicht bewegen. "Du musst aufstehen" dachte ich noch, aber es ging nicht. In dem Moment wurden meine Arme rechts und links gepackt und jemand zog mich aus dem Wasser, rüber in die Wiese. Die Haare vorne übers Gesicht, triefend nass mit Sand verschmiert, saß ich wie ein Häuflein Elend in der Wiese und schnappte nach Luft.

 

Ich konnte nicht mehr atmen. Nur stoßweise nach Luft schnappen, so als wäre ein Nerv eingeklemmt. Ich versuchte zu sagen: "nur einen Moment, es geht gleich wieder" aber raus kam nur ein geschnappel. Ich hörte dann einen Mann (der mich mit meiner Freundin zusammen rauszog) sagen, "die kann nicht mehr aufsteigen". "Doch, die kann", schnappelte ich. "Ne, du kannst nicht mehr". "Warte nur einen Moment, ich bekomm grad keine Luft. Es geht gleich wieder". "Nein, es geht nicht mehr. Ich vermute, dass du dir die Rippen gebrochen hast. Das Pferd hat sich nämlich hinter dir gewälzt und wollte aufstehen. Und beim Wälzen hat es dein Bein erwischt, sodass du hingefallen bist und beim Aufstehen hat es dir dann seinen Huf in den Rücken geschlagen. Und ich denke, du hast dir deine Rippen gebrochen, weil du nicht mehr atmen kannst".

 

Naaa TOLLLLL, dachte ich. Der zweit Urlaubstag. Was mach ich denn jetzt?

 

Nun, ich machte gar nichts mehr. Der Sani wurde gerufen und ich wurde mit Blaulicht ins Krankenhaus gefahren. Dort wurde ich mit akuter Lebensgefahr - Verdacht auf Leber-, Nieren- und Blasenriss zur OP vorbereitet. Die Ärzte standen mit Mundschutz und Skalpell neben mir, bis die Untersuchung ergab, dass die Blase OK war und ich somit erst mal nicht in akuter Lebensgefahr war. Beim Röntgen wurde dann festgestellt, dass drei Rippen, durch die Lunge, durch die Leber und durch die Niere gestochen sind. Ich bekam einen rießen Schlauch in den Rücken, aus dem mir dann drei Tage lang das Wasser abgesaugt wurde.

 

Nach drei Tagen durfte ich die Intensivstation verlassen. Meine Freundin musste dann noch meinen Sohn anrufen, weil ich keine Krankenkarte dabei hatte. Wie fängt man da an. "Eh, ich bin die Freundin deiner Mutter, es ist aber nichts passiert, also, sie liegt im Krankenhaus, es ist aber nichts passiert. Alles ist wieder gut. Aber wir brauchen die Krankenkarte". Mein Sohn dachte, er fällt um. Wie, wo, was? Die Mutter im Krankenhaus? Tja, wir reden heute noch ganz oft darüber.

 

Dann wollte ich natürlich wissen, wie der Ausritt zum Westernfest war. Nun ja, der ganze Tag war wohl unter einem ungünstigen Stern. Wir wollten ja draußen übernachten aber.... dann zog ein Sturm auf, die Pferde wurden nervös, die Zelte flogen davon und alle waren die ganze Nacht auf. Das Fest musste wegen Gefahr dann abgebrochen werden, erzählte meine Freundin. Aber einen Tag später ritten sie dann in die Westernstadt Pullman City in Eging am See. Meine Freundin war so begeistert, sie müsse da unbedingt noch mal hin und natürlich wollte ich dann auch mit. Nach drei Monaten lahm zu Hause herumliegen, konnte ich dann endlich wieder aufstehen und normal herumlaufen. Sicherheitsgurt im Auto war noch eine Gefahrenstelle aber sonst ging es mir gut.

 

Na und dann hielt mich nichts mehr. Ich wollte nach Pullman City. Mann war es da toll. Irgendwie hatte ich das Gefühl, ich bin zu Hause. Ich passte da total rein und dann lernte ich eine Frau kennen, die dort eine Modenschau veranstalten wollte. Sie fragte mich, ob ich für sie als Modell laufen würde. Ja klar mach ich das. Was muss ich denn machen? Tja, nur ein Kleid anziehen und mit den anderen Mädels die Mainstreet auf und ab laufen. Sie möchte die Kleider alle verkaufen. Als ich das weiße Kleid sah, wusste ich, das ist meins und alle sagten, das ist mein Kleid und ich gehörte in diese Zeit. Von da an war es um mich geschehen. Die Kleider faszinierten mich total. Nach ein paar Wochen wollte ich das nächste Kleid haben. Eins, mit dem ich auch hier auf ein Westernfest gehen kann. Ohne Reifrock, nur mit einem Reitrock und so entstand meine nächste Kreation und die nächste und die nächste.

 

Meine Zeit ist die zwischen 1860 und 1900. Mir gefallen die Reifröcke und die Tournürenkleider mit den großen Hüten. Darin fühl ich mich wohl, so, als hätte ich nie etwas anderes angehabt.